Heilpraktikerin für Psychotherapie

Psychologische Beratung und Coaching
Basenfasten-Wandern

Meine Depression, Meine ganz persönliche Depression

Aufgeschrieben im Sommer 2021. November 2008. (ich bin 36 Jahre alt) Und plötzlich geht nichts mehr. Ich schlafe, schlafe unendlich viel. Müdigkeit in jeder Zelle meines Körpers. Erschöpfung pur. Und sollte ich doch mal wach sein, beginne ich sofort ohne jeden Anlass, zu weinen und es ist ein unaufhörlich jämmerliches Weinen. Ein Weinen wie ich es bisher nur bei kleinen Kindern beobachtet hatte, wie sie völlig hilflos und unverstanden nach Trost suchen. Rote Augen voll brennender Tränen ohne jegliches Hungergefühl, wie und wann auch, zwischen all dem Schlafen und Weinen. Die Körperpflege, auch völlig vergessen, ja überhaupt nicht möglich. Müde, schlapp, kraftlos und ungewaschen ergebe ich mich dieser Situation, einen Kompletten Monat lang. Und es sollte der Erste, von sehr vielen Monaten, …Jahren werden. Nach sechs Wochen sitze ich im Wartezimmer einer Diplom-Psychologin. Ich habe keine Erinnerung mehr, wie ich das zustande gebracht hatte. In diesem Wartezimmer werde ich zukünftig viele Stunden verbringen. Die Therapiezeit selbst, verging viel zu schnell, um all das Elend in mir, ausspucken zu können. Mehr als ein unsortiertes ausspucken war es auch gar nicht. Ich hatte mehr Fragen, Befürchtungen und unkontrollierbare Gefühlsausbrüche…, als Antworten. Und zu jeder Tages- und Nachtzeit Grübeln, Gedankenkreisen. Was geschieht hier? Warum geschieht es? Hört das jemals wieder auf? Das halte ich niemals aus! Ich erinnere mich, an die erste Diagnose – Burnout, und einen „ersten Hilfe Schlüssel“, einen Satz, den ich mir laut aufsagen sollte: Durchbreche den Spiegel der Selbstbetrachtung!!! Naja, hat hin und wieder geholfen, und ich wünschte mehr von diesen Schlüsseln, in der Hoffnung sie würden besser und schneller funktionieren. Ich begann Tagebuch, oder besser, eine Zettelwirtschaft, zu schreiben. Das half mir, dass Gedankenkreisen zu sortieren, besonders in schlaflosen Nächten. Anfang 2009, die zweite Diagnose - Depression, Manisch-Depressiv. Kämpfen jeden Tag, zweifeln jeden Tag. Ich war weder faul noch dumm oder unwillig. Ich war unfähig. Kämpfte mit alltäglichen Aufgaben. Merkfähigkeit und Konzentration waren beinahe Fremdwörter für mich. Mir fehlten die Worte, in Gesprächen mit anderen Menschen, inhaltlich habe ich mir auch kaum etwas merken können. Einkaufen, sauber machen oder irgendwelche Dinge erledigen, reduzierte ich auf das Nötigste. Selbst das Einparken mit dem Auto, war mir nicht mehr möglich. Es forderte täglich, immer wieder meine aller letzten Energiereserven, um zu bestehen. So, dass ich mich nach getaner Arbeit, zusammenbrechen fühlte und vor Schwäche oder vor Wut weinte. (Zum Verständnis, ich arbeitete in dieser Zeit höchstens vier bis maximal sechs Stunden am Tag und auch nur ca. 14Tage im Monat. Ich war selbständig, was das für mein Einkommen bedeutete kann man sich vorstellen.) Ich hatte das unendlich starke Bedürfnis, mich zu verkriechen, zu schlafen und nicht mehr aufzuwachen, endlich meine Ruhe zu haben. Und das jeden Tag. Nichts Sinnvolles passierte, weil ich keine Kraft und keinen Antrieb hatte. Ich zweifelte an allem, ich fand keine Gewissheit, dass es je besser werden würde. Und es war ständig so, in beinahe allen Situationen, bei Familientreffen, bei Freunden, bei der Arbeit, beim Autofahren, bei allem alltäglichen. Es war immer und immer wieder so. Vor Familientreffen, wenn ich denn überhaupt noch daran teilnahm, war ich schon vorher tagelang aufgeregt und beim Treffen selbst, derart erschöpft, dass ich es kaum aushalten konnte, kaum angekommen, wollte ich auch schon wieder weg und Freunde, Freunde besuchen, Freundschaften pflegen, ich glaube ich hatte gar keine. Dann gab es da noch etwas anderes. Es gab Zeiten, in denen ich wie ein „Düsenjet“ in die Manie rauschte, voller Wucht ungebremst. Auch das war kaum auszuhalten, ruhelos und tausend Ideen gleichzeitig, aber wenigstens ohne diese schwere Trauer und funktionstüchtig. Die Angst, die mich begleitet. Die Gedanken hören nicht auf, ich werde sie nicht los, immer wieder fallen sie über mich her. Wieder und wieder stößt die Depression, mein Unterbewusstsein, auf Dinge aus meinem Leben, die gelöst oder unveränderbar oder die ich nie wirklich bewältigt habe. Einfach alles ist in diesen Gedanken gefangen. Im ewigen Kreisel, blieb auch der Gedanke an „Suizid“ nicht unbedacht, zu meinem Glück blieb es nur ein Gedanke. Verstehen kann ich wohl, wo er herkommt. Der Wunsch, dass dieser Zustand endlich ein Ende finden mag, ist groß. Tagebucheintrag ohne Datum: tief traurig, tief drin Herz, Magen zusammenrollen, drang, weinende Augen, Gesicht zusammenkneifen, Schweres Atmen – geht nicht durch, bei Anstrengung zittern, Herz rasen. Ich fühle mich voll tränen, gerne wie ein Wasserfall alles rauslassen Unendlich, müde, schmerzen strangartig im rechten Innenbein, schmerzende Eierstöcke, bittere Dunkelheit, ins Leere starren, keine klaren Gedanken, keinen Gedanken zu Ende bringen, jegliche Tätigkeit fällt schwer, auch denken und sprechen, bis 16:00 Uhr schlafen, ab 20:00 Uhr weiterschlafen, bitte keine Konversation, bitte keinen Augenkontakt, schlafen, schlafen, schlafen Mittwoch raus, aber superschwer. Ich habe Angst vor diesem Zustand im Zustand! Ich weiß er geht vorbei, wenn es mir gut geht, kann ich überhaupt nicht nachfühlen wie sich der depressive Zustand anfühlt und ich erkenne meist zu spät, wann er wieder beginnt, erst wenn ich drinstecke. Wobei sich die super Manie auch anstrengend anfühlt. Selbst meine Handschrift verändert sich dann…. Aufklärung. Im Jahr 2010 begann ich mein Studium, Heilpraktiker für Psychotherapie, zur Identitätsbildung, so benenne ich es jedenfalls. Hin und her geworfen zwischen der Depression und der Manie hatte ich mich „eingerichtet“. Ich wusste in etwa was ich in jeder Phase tun konnte, tun wollte oder tun musste. Ich konnte bewusst die mir bekannten Skills anwenden, ich wollte mich aber auch manchmal gehen lassen und der Situation hingeben, und ich musste, die mir schon vertraute, Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, wenn es besonders schlimm war. Begriffen hatte ich auch, dass die depressiven Phasen häufig nach einigen Wochen vorbei sein konnten, also redete ich mir ein, es ist nur eine „Erkältung“, diese bekommt man eben und sie geht vorbei. Also bleibe ich einfach im Bett und warte. Die Krankheit diktierte längst den Rhythmus meines Lebens. Nach jeder Depressiven Phase kam die Manie, in der ich alles aufholte, was die Depression „getötet“ hatte. Dumm nur, dass mit der Kraft und der Energie auch das schlimme Gefühl der inneren Explosion, des inneren Rasens, des Übermutes und des selbst-schädigenden Verhaltens wieder kamen. Auszug, Tagebucheintrag 2010: Manie, „Alles rast, Gefühle, Gedanken, Bewegungen. Ich fühle mich euphorisch, glücklich, alles zu euphorisch, zu glücklich. Sauge alles wie ein Schwamm in mir auf, ich drohe zu platzen. Wie gerne würde ich anhalten, ausruhen, Luft holen. Seit 4 Tagen Suchtgedanken, bitte, bitte stell das Hirn einmal Blöde-Taub-Stumm-Ausschalten!“ Es gab nichts dazwischen! Ich verstand mittlerweile was da vor sich ging. Und doch hatte ich es noch nicht verinnerlicht, konnte es noch nicht fühlen, nicht beeinflussen. Auszug, Tagebucheintrag 2011: „Jeder Mensch will geliebt werden und auch Liebe geben. Ich habe eine psychische Wunde, diese will eitern und größer werden. Wenn ich ihr Raum gebe, vernebelt sie meine wahren Gedanken und Gefühle. Ich kann sie HEILEN. Ich weiß um meine Krankheit. Ich weiß was ich wirklich will. Ich habe Werkzeuge um zu heilen und muss sie benutzen. Ich kann nicht mehr zwischen den Gefühlen der psychischen Wunde und den wahren Gefühlen unterscheiden! Ist alles was schlecht ist, die Wunde? Ist alles was gut ist, echt?“ Zeit des Erwachens. Tagebucheintrag 2013: „Ich habe voller Mut und Zuversicht „alte Türen“ geschlossen und bin auf dem Weg der Neuausrichtung“ 2014/2015 Ich habe gelernt mich zu spüren, habe meine Bedürfnisse kennengelernt und trete mutig für sie ein. Dieser Weg ist mit unzähligen Tränen und herben Rückschlägen gepflastert. Es war und ist harte Arbeit. Und es lohnt sich. Im Nachhinein kann ich einiges erklären, kann ich mir einiges erklären. 2020 Jede Depression ist anders. Jeder Mensch ist anders. Aber ich kann erklären, wie es sich für mich anfühlt, mit einer Depression zu leben. Nur wer sie selbst einmal durchlitten hat, kann verstehen, was es bedeutet, so krank zu sein. Nicht verstanden zu werden sich immer rechtfertigen zu müssen, weshalb ich mich so verhalte und weshalb ich mich so verändert habe, ist schwer. Sie entsteht ja nicht, „über Nacht“, sondern beginnt schleichend, über Wochen und Monate hinweg. Auch häufig mit körperlichen Beschwerden kombiniert. Bei mir waren und sind es, manches Mal noch immer Bauchschmerzen mit chronischem Durchfall, unendliche Rückenschmerzen und starke Müdigkeit. Und, Sie können glauben, dass ich meine ganze Kraft und meinen ganzen Willen einsetzte, meinen Tag zu bestehen, und - um zu lernen, wie ich mit dieser Situation umgehen kann. Ich gehe bis heute, regelmäßig zur Gesprächstherapie. Auch wenn ich seit 2019 laut ausspreche, dass ich mich „gesund“ fühle, so ist es doch der November, der Monat, an dem ich besonders hinschaue, wie es mir geht. Ja, ich habe gelernt mich zu beobachten, mich zu fühlen und mich sogar zu regulieren, wenn ich es möchte. Mich also im hier und jetzt wahrzunehmen. Es ist nicht schlimm. Denn ich bin gut so wie ich bin!!!!